Diabetes
Neue Erfolge mit Inselzell-Transplantationen (?)
Eine kanadische Arbeitsgruppe berichtete über acht Typ-1-Diabetiker, die nach einer Inselzell-Transplantation zum Teil schon seit 14 Monaten ohne exogenes Insulin auskommen (s. Diabetes-Schnell-Info Nr.7) . MMW befragte Prof. W.A.Scherbaum, Direktor des Dt. Diabetes-Forschungs-Instituts der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.
MMW:
Wird man bald jeden Diabetes heilen können, oder ist in Kanada nur wieder ein kleiner Schritt gelungen?
Scherbaum:
Es ist sicher ein weiterer Schritt, aber kein Durchbruch. Die Kanadier haben mit einem relativ kleinen Eingriff zweimal hintereinander Inselzellen von zwei verschiedenen Spendern in die Portalvene gegeben und damit mehr Inselzellen in die Leber platziert, die nun für ausreichend Insulin sorgen. Neu war auch die Dreierkombination aus Tacrolimus, Sirolimus und dem monoklonalen Antikörper Daclizumab, mit der die Abstoßungsreaktion unterdrückt wurde. Offenbar gab es außer einer Candidiasis im Mund kaum Nebenwirkungen Für die Inselzell-Transplantation kommen nur wenige Diabetiker infrage – eigentlich nur diejenigen, die wegen einer Nierentransplantation ohnehin eine Immunsuppression erhalten.
MMW:
Eine breite Anwendung der Inselzell-Transplantationen ist demnach nicht in Sicht?
Scherbaum:
Nein, sie ist trotz der verbesserten Methode nicht in Sicht. Die Immunsuppression erfordert auf Dauer eine engmaschige Kontrolle, und ganz frei von Nebenwirkungen ist sie immer noch nicht. Für einen gut eingestellten Diabetiker ist das nicht unbedingt attraktiv. Außerdem sind transplantierbare Inselzellen ja keine Massenware, es gibt – wie auch bei anderen Organen – nicht sehr viele Spender.Außerdem braucht man zweimal ein ganzes Pankreasorgan, so dass Lebenspenden nicht infrage kommen.
MMW:
Also ist es durchaus sinnvoll, auch weiterhin beispielsweise das inhalative Insulin oder auch transdermale System weiterzuentwickeln,die ja wenigstens das Spritzen ersparen?
Scherbaum:
Natürlich. Die Diabetologie lebt von den vielen kleinen Schritten, die dem Diabetiker das Leben immer leichter machen und seine Langzeitprognose immer weiter verbessern. Die vielen kleinen Schritte werden dannirgendwann durch den großen Durchbruch ersetzt. Dabei ist jedoch jeweils mit aller Sorgfalt zu fragen, welche Vor- und Nachteile daraus für den Patienten erwachsen.
Korrespondenzadresse:
Fragen an Prof. Scherbaum über die MMW-Redaktion unter: Fax: 089/43721399, E-Mail:Moreano@Urban-Vogel.de
(MMW- Fortschr.Med.142, Nr.25/2000)
zurück
- Diabetiker, denk an Deine Füße
- Rosiglitazon in Deutschland zugelassen
- Innovativer Impfstoff von Chiron Behring für Diabetiker












