Gesundheitsinformationen

Sommerzeit-Zeckenzeit

Warum sie gefährlich sind, wo sie vor allem vorkommen, wer sich schützen sollte, was Impfungen bringen . Die wichtigsten Fragen, die richtigen Antworten.

Sobald es warm wird, geht er wieder seinem blutigen Geschäft nach .Lautlos krallt er sich an seiner Beute fest, schneidet mit seinem Stechapparat die Haut auf und saugt dann gierig den roten Saft in sich hinein .Der “Gemeine Holzbock “ ist nur einen Viertel Zentimeter bis erbsengroß und gehört mit seinen acht Beinen zu den Zecken und Spinnentieren.
Erst nach drei bis zwölf Tagen lässt eine Zecke von ihrem Opfer ab .Häufig bleibt der Überfall unbemerkt, da der kleine Vampir gleichzeitig schmerzstillende Substanzen in die Bißwunde spritzt .Obwohl Zecken nur wenige Tröpfchen Blut abzapfen, kann das für den Spender schwerwiegende Folgen haben .Schuld daran sind Krankheitserreger, die von den Blutsaugern übertragen werden: Allein in Deutschland erkranken jedes Jahr 30000 bis 60000 Menschen an der L y m Erb o r e l i o s e und 150bis 300 an der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME).

Wo kommen Zecken überall vor?

Die Zeckenart, die für Lyme-Borreliose und FSME verantwortlich ist, gibt es in allen Teilen Deutschlands und auch anderswo in Europa(siehe Frage 2).
Nur wer in den Bergen1500 Meter über dem Meeresspiegel lebt, muß sich keine Sorgen machen .Der Holzbock liebt es feucht und warm .Besonders wohl fühlt er sich in der Krautschicht von Laub- und Mischwäldern, sowie in Parkanlagen und Gärten . Dort sitzt er in maximal anderthalb Metern Höhe und wartet auf eine Zapfstelle . Der kleine Vampir ist nicht wählerisch .In Frage kommen neben Joggern und Waldarbeitern, Warmblüter aller Art: Auch Mäuse, Hasen, Rehe, Hunde und Katzen, Kühe, Pferde und sogar Vögel sind potentielle Opfer.

Wie hoch ist das Risiko einer Infektion?

Nicht jede Zecke ist Mit Krankheitserregern beladen .In unseren Breiten beherbergen etwa 5 bis 30 Prozent der Parasiten die gefährlichen Borrelien .Diese spiralförmigen Bakterien sind die Erreger der Lyme-Borreliose .Das FSME-Virus findet sich dagegen nur in wenigen Regionen Deutschlands, die vor allem in Bayern und Baden-Württemberg liege .In diesen Gebieten sind aber lediglich 0, 1 bis 5% der Zecken mit dem FSME-Virus infiziert .Solche FSME-Risikoregionen gibt es auch in Österreich, der Schweiz, Skandinavien und Osteuropa.

Welche sind die typischen Anzeichen einer FSME-Infektion?

Wer von einer Zecke mit dem FSME-Virus infiziert wurde, bekommt normalerweise sieben bis 14 Tage nach dem Einstich grippeähnliche Beschwerden wie Fieber, Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen und Magen-Darm-Beschwerden .Innerhalb von 2 bis 4 Tagen klingen die Symptome ab . Oft ist die Krankheit damit ausgestanden .Bei einem Teil der Infizierten folgt jedoch nach einer weiteren Woche die zweite gefährliche Phase: Anzeichen sind starke Kopfschmerzen, Nackensteifheit, Verwirrtheitszustände und hohes Fieber .Die Viren haben sich dann auf Gehirn und Rückenmark ausgebreitet, lösen dort Entzündungen zum Beispiel der Hirnhaut aus und hinterlassen unter Umständen bleibende Schäden . Rund 1 Prozent der Infizierten sterben an den Folgen der FSME, denn es gibt bisher keine Medikamente gegen diesen gefährlichen Erreger.

Und wie verläuft eine Borreliose?

Das zuverlässigste Anzeichen einer Infektion durch Borrelien ist die “Wanderröte“ um die Einstichstelle, eine Hautreaktion, die noch vier Wochen nach dem Zeckenangriff auftreten kann: Die Rötung der Haut breitet sich ringförmig aus, während sie im Zentrum wieder verblasst .Weitere mögliche Frühsymptome sind Fieber, Abgeschlagenheit sowie Kopf- und Gliederschmerzen . Bleibt die Infektion in diesem ersten Stadium unbehandelt, können die Bakterien innerhalb der nächsten Wochen oder Monate unterschiedliche Körperteile und Organe befallen und dort Entzündungen auslösen .Häufig betroffen sind zum Beispiel Gelenke (vor allem das Knie), Hirnhaut, Rückenmark und Herzmuskel .Die Folge sind über Jahre andauernde Beschwerden, von Herzrhythmusstörungen über starke Schmerzschübe bis hin zu Lähmungserscheinungen.

Ist die Lyme-Borreliose eine neue Infektionskrankheit, wie so oft behauptet wird?

Nein .Unser Immunsystem muss sich vermutlich schon seit Urzeiten mit Borrelien herumplagen .Aber erst seit 1975 beschäftigt sich die Wissenschaft mit den Erregern .Zu verdanken ist das einer aufmerksamen Mutter aus Old Lyme in Connecticut .Sie bemerkte als erste, was der zuständigen Gesundheitsbehörde entgangen war: In der Kleinstadt gab es eine merkwürdige Häufung von Gelenkentzündungen bei Kindern .Durch langwierige Fahndungsarbeit wurden 1982 die Borrelien als Verursacher ermittelt. Schon bald wurde klar, dass es fast überall in nördlichen, gemäßigten Breiten Borrelien gibt.

Ist eine Borreliose in jedem Stadium heilbar?

Wie bei vielen Krankheiten gilt auch hier: Je früher die Behandlung einsetzt, desto besser .Im ersten Stadium werden Antibiotika schnell und zuverlässig mit den Bakterien fertig .Nach spätestens zwei Wochen ist der Spuk im Körper dann wieder vorüber .Wesentlich schwieriger wird es in späteren Stadien, wenn Borrelien Knorpelsubstanz oder Nervengewebe befallen und dort z .B . die Lyme-Arthritis, eine chronische Gelenkentzündung auslösen. In diese Körper-Regionen gelangen viele Antibiotika nicht mehr so leicht .Deshalb ist es besonders wichtig das sofort das richtige Mittel gewählt und hoch dosiert wird . 90 Prozent der Patienten, die an einer Lyme-Arthritis leiden, werden so innerhalb von drei Monaten geheilt .Allerdings können nach einer so langen Infektionszeit Gesundheitsschäden zurückbleiben.

Gibt es gegen FSME und Borreliose eine zuverlässige Impfung?


Gegen das FSME-Virus gibt es schon seit langem einen sicheren Schutz .Er besteht aus zwei Impfungen im Abstand von ein bis drei Monaten sowie einer weiteren nach neun bis zwölf Monaten .14 Tage nach der zweiten Impfung ist das Immunsystem gegen das Virus gewappnet .Nach der dritten Impfung hält der Schutz mindestens drei Jahre vor . Die Impfung gilt als gut verträglich .Es können aber gelegentlich direkte Impfreaktionen wie Rötung und Schwellung an der Einstichstelle sowie Abgeschlagenheit und Kopfschmerzen eintreten .Ein Impfstoff gegen die Borreliose wurde von Wissenschaftlern des Max-Plank-Instituts und der Universität Heidelberg entwickelt .Seit Anfang diesen Jahres steht er Kommt es häufig vor, dass eine Borreliose nicht gleich erkannt wird?


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